Datum: 2023-09-21 13:43:00;
Stichwort: Kapitäne
Puh, irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf: Wenn man sich die Lage nicht wirklich erklären kann, kommt man auf spannende Gedanken. Und im Extremfall landet man gern bei vermeintlich perfiden Strippenziehern im Hintergrund.
Fakt ist: Wir sind ein unterdurchschnittlicher Zweitligist mit dementsprechenden Einnahmen. Beim TV-Geld ist das belegbar.
Meine Meinung: Wir haben eine Mannschaft, einen Trainer und einen Sportdirektor, die allesamt unterdurchschnittliche Zweitliga-Qualität haben.
Fazit: Das passt zusammen.
Fakt: Selbst wenn alle in der Liga alles richtig machen, gibt's am Ende mindestens zwei Absteiger.
Meine Meinung: Bisher scheint kaum einer der finanziell besser dastehenden Konkurrenten bei der Kaderzusammenstellung völlig daneben gelegen zu haben. Das war in anderen Jahren anders. Von den Alt-Zweitligisten könnte das vielleicht bei Paderborn, Fürth oder Nürnberg der Fall sein - aber auch nur vielleicht. Dadurch ist klar, dass
Eintracht als Gerade-so-Nichtabsteiger mit den Aufsteigern und vielleicht noch zwei anderen Teams gegen den Abstieg kämpft.
Fazit: Genauso isses.
Fakt: Entweder man kauft Qualität oder man entwickelt sie.
Meine Meinung: Für unsere Verhältnisse (s.o.) haben wir eine Mischung aus gekaufter Qualität (z.B. Ivanov, Helgasson) und Entwicklungspotenziel (z.B. Gomez, Amyn). In der Lieberknecht-Ära hatten wir das Glück, in der 3. Liga sowohl einen Trainer als auch viele Spieler mit deutlich mehr Qualität als Drittliga-Niveau zu haben (z.B. Kruppke, Kumbela) - und auch welche mit Entwicklungspotenzial (z.B. Reichel, Boland).
Fazit: Der jetzige Ansatz ist nachvollziehbar, aber keine Garantie für eine steile Erfolgskurve. Denn die anderen machen es genauso.
Mir fehlt die Demut, einfach mal zu erkennen, wo wir stehen und welche Ansprüche wir als Profiverein und auch als Anhänger haben sollten. Was ich erwarte: (relative) Identifikation, Herzblut, Einsatz.
Und noch ein Wort zum Thema Präsidentin. Ich finde es überaus befremdlich, wenn sie
a) für sportlichen Misserfolg gemacht wird (ja, sie ist stv. AR-Vorsitzende - und der AR zuständig für die Personalien Vollmann und Benz, war sich dort aber wir auch beim Trainer offenbar weitgehend einig) und
b) unterschwellig ("divers", "Sorgentelefon") unterstellt wird, sie wäre quasi - Achtung, Ironie - linksgrünversiffter Gutmensch und ungeeignet, für das Wohl eines Sportvereins zu sorgen.
Die Vorstellung, dass der auf allen Ebenen keineswegs unumstrittene Alternativ-Kandidat auf einmal die großen Sponsoren angeschleppt hätte, halte ich für absurd. Von den vermeintlich großen Wirtschaftskapitänen à la Mast, Tenzer oder (Quasi-Chef) Staake habe zumindest ich die Nase voll. Die haben allesamt einen unfassbaren Scherbenhaufen hinterlassen. Ebel im Grunde auch, der hatte aber vorher wirklich große Verdienste. Übrigens hat er (so weit ich weiß) trotz exponierter Stellung in der Wirtschaft auch keinen größeren Sponsor angeschleppt. Bitte nie, nie wieder ein Wirtschafts-Alphatier in der Vereinsspitze!