Datum: 2023-10-09 15:19:00;
Stichwort: Kritik vs. Draufhauen
Ist schon putzig, wie der eine oder andere tickt.
Da gilt man als Jubelperser, wenn man das benennt, was eigentlich jeder gesehen haben sollte, nämlich dass die beiden letzten Auftritte sehr wohl gezeigt haben, dass wir zumindest mithalten können.
Andere gelten als notorische Brunnenvergifter, weil sie ihre Enttäuschung in Form von Panik ("alle raus"), Aktionismus ("die Präsidentin muss sich äußern") oder Fatalismus ("wir sind eh schon abgestiegen") zum Ausdruck bringen.
Wenn man wie ich handgestoppt 7 Abstiege und 6 Aufstiege miterlebt hat, nimmt man irgendwann vielleicht auch einfach mal hin, dass der Fußball für solche bundesweit-Platz-30-40-Vereine wie Eintracht ein stetes Auf und Ab bedeutet. Dass da keiner absichtlich schlecht spielt und falsche Entscheidungen trifft. Und dass man einen Sonntagabend auch trotz eines 1:3 genießen kann. Was übrigens nicht heißt, ich wäre gleichgültig. Ich mache mir ja auch so meine Gedanken, kann aber sicher nur in der Form helfen, in der ich das Team von den Rängen unterstütze, wenn ich sehe, dass Einsatz und Wille da sind.
Und das bringt mich zu meinem eigentlichen Thema: Ich fand es richtig gut, dass die Truppe bei ihrer Stadionrunde nach dem Spiel nicht länger in der vor der Südkurve stehen geblieben ist. Diese Szenerie (regelmäßig auf Schalke zu sehen), in der die Spieler versteinert vor der Kurve stehen und sich von wild gestikulierenden Zaunkletterern übelst anschreien lassen (müssen), finde ich ganz, ganz schrecklich. #modernerfußball?
Genau wie das "Wir woll'n euch kämpfen seh'n" nach dem Abpfiff. Man kann sicher einiges kritisieren - aber dass sie nicht gekämpft haben? Also bitte!
Wenn so was jedoch dazu beiträgt, dass es die von Vollmann beschriebenen geschlossenen Reihen (aka Wagenburg) gibt, hätte es sogar was Gutes. Denn die spielen nicht für uns, nicht für die Südkurve und nicht für Sky. Da spielt jeder für sich - und im Idealfall so, dass sich jeder als Teammitglied versteht. Das erwarte ich auch - und das sehe ich als Chance, sich von dem einen oder anderen Konkurrenten im Keller abzuheben.
"Wut und Angst sind schlechte Ratgeber."
(ich)