Datum: 2023-10-22 18:25:00;
Stichwort: Lage, Lage, Lage
Zwei Tage nach dem Spiel – und obwohl ich ein durch und durch positiv eingestellter Mensch bin (für manche ist so was offenbar ein Jubelperser), bin ich etwas ratlos, wie es weitergehen soll. Denn – trotz allem – noch ist die Saison viel zu lang, um sie schon jetzt abzuschenken. Hier ein paar Möglichkeiten.
Trainerwechsel:
Ich kann es natürlich nicht beurteilen, aber irgendwie scheint da was mit Härtel nicht zu passen. Sprücheklopfer oder Heißmacher allein zu sein, das reicht natürlich nicht. Aber seine Sachlichkeit, die auch als langweilig bezeichnet werden kann, holt zumindest mich nicht ab. Wobei er ja vor allem die Spieler abholen muss.
Ja, der Kader hat Defizite. Für mich hat Härtel bisher aber keinen Spieler stärker gemacht, stattdessen sind einige schwächer geworden. Und warum z.B. Behrendt offenbar gar keine Rolle mehr spielt, erschließt sich mir nicht.
Ein neuer Trainer kann was bewirken, in Eintrachts Historie waren Feuerwehrmänner aber selten erfolgreich (s. Reinders2, Vasic, Reimann). Pfitze (mit Lizenz-Strohmann an der Seite) hätte natürlich Charme, könnte aber auch ein Denkmal zum Einsturz bringen. Immerhin ist er als Co ja aktuell schon an allem zumindest mitbeteiligt. Dazu kommt, dass Düsseldorf und Hannover ein undankbarer Start für einen Neuen wären.
Mein Fazit: Wenn, wie es so schön heißt, „der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht“, wäre ein Trainerwechsel sinnvoll. Völlig unrealistisch, aber kostensparend wäre die Schiele-Variante. Vielleicht kann er’s ja besser. Da bis heute Abend aber nix passiert ist, gehe ich davon aus, dass Härtel noch das Düsseldorf-Spiel kriegt und (bei einer Pleite) in Hannover Pfitze interimsmäßig auf der Bank sitzt.
Vollmann raus:
Kurzfristig bringt das gar nix, weil ich kaum glaube, dass die Mannschaft deshalb besser spielt, weil Vollmann nicht mehr am Start ist. Zur Winterpause sollte man sich sicherlich Gedanken machen, ob die Staffelübergabe an Kessel nicht schon vorgezogen wird. Aber auch der ist ja keiner, der auf einmal den neuen Messi anlockt.
Mein Fazit: Die aktuelle Rolle von Vollmann wird völlig überschätzt. Der Kader ist nicht auf D-Jugend-Niveau – und es ist die Aufgabe des Trainers, möglichst viel rauszuholen. Mittelfristig wird Vollmann eh abgelöst.
Neue Spieler:
Zurzeit gäbe es nur vertragslose Spieler, die in der Regel nicht mal annähernd die nötige Fitness haben. Das Spiel hat diesbezüglich Quantensprünge gemacht, man merkt z.B. bei Verletzungs-Rückkehrern, dass die niemals 90 Minuten bei vollem Tempo durchhalten.
Mein Fazit: Unabhängig von Finanzierbarkeit und Qualität der in Frage kommenden Spieler. Die Wahrscheinlichkeit, bei so was einen Volltreffer zu haben, ist gleich null. In der Winterpause sieht das natürlich ganz anders aus.
Mein Gesamtfazit: Wenn etwas ad hoc helfen kann, dann nur ein Trainerwechsel. Vielleicht lassen sich Kosten ja mit einer Reduzierung des Kaders im Winter wieder etwas auffangen.
Und dann noch was zum Thema Investoren, AR, Präsidentin.
Präsidentin:
Was genau wollen denn diejenigen, die ihr vorwerfen, sie würde nix sagen? Soll sie sich Glogo-like hinstellen und bollern: „Wenn das so weitergeht, schmeißen wir die schlechtesten Spieler raus! Ich lasse mir das nicht mehr bieten. Und am schlimmsten ist der Wiebe, der sich von allen Trainern immer als Rechtsverteidiger aufstellen lässt, obwohl er das doch gar nicht kann“? Ich empfinde es als ausgesprochen angenehm, dass da nicht auch noch Panik verbreitet wird, um selbst wie ein Volkstribun dazustehen.
AR:
Ach ja, die können ja auch alle nix – wie immer, wenn es sportlich gerade nicht läuft. Sebastian Götze eigentlich auch? Ich glaube, da könnten Franke, Gersdorff, Worm, Buchheister, Pfitze und der Sohn von Popivoda im AR sitzen – dann wären die auch auf einmal alle Vollpfosten. Was genau hätte Freitag denn bei Sky sagen sollen? „Ja, wir zweifeln inzwischen an Härtel, haben aber keine Kohle für einen Neuen - kann sein, dass er bald fliegt“?
Investoren:
Das Thema wird ja immer wieder gern rausgeholt. Dazu mal ein paar Thesen:
1. Die einzigen mit Investoren, die nachhaltig Erfolg haben, sind die Bayern und Dortmund. Sie haben aber nicht in der Not, sondern in sehr guten Zeiten Anteile abgegeben. Bei Leverkusen und Wolfsburg ist der jeweilige Konzern erst ernsthaft eingestiegen, nachdem die Vereine ohne große Kohle selbst den BL-Aufstieg geschafft hatten. Hoffenheim (Spielzeug) und Leipzig (Neugründung) sind Sonderfälle.
2. So was wie Heidenheim, Wehen, Elversberg oder Paderborn hat nichts mit Investment zu tun, sondern eher mit Mäzenatentum. Seit Jägermeister sind wir dagegen hoffentlich immun.
3. Wir hatten bzw. haben mit Kölmel quasi einen Investor. Sicher nicht das, was heutzutage mit Investoren gemeint ist, unterm Strich hat sich das Investment von Kölmel aber unfassbar gut ausgezahlt – und wir haben ganz viel Geld dafür bezahlt (bzw. zahlen immer noch), dass uns jemand mal kurzfristig aus der Patsche geholfen hat.
4. VW dürfte gar nicht bei uns investieren, da sie schon drei Clubs in den Bundesligen haben (+ Ingolstadt in Liga 3) und würde es allein schon deshalb nicht machen, weil sie ihrem Hauptclub vor Ort direkt Konkurrenz bescheren würden.
5. Jeder Investor will Plätze im Aufsichtsrat. So wie jetzt z.B. Rickel (VW) und Freitag (BS Energy) als große Sponsoren. Ist all jenen, die jetzt sowohl einen Investor fordern als auch dem AR jegliche Kompetenz absprechen, klar, dass der AR dann noch investoren-/sponsorengeprägter als aktuell wäre?
Witzig: Ich lese zufälligerweise gerade das Buch „Samstags um halb 4. Die Geschichte der Fußballbundesliga“ von Nils Havemann. Ein echt dicker Schinken, und eher wissenschaftlich geschrieben. Es ist zwar von 2013, aber mehr denn je aktuell, weil dort beispielhaft beschrieben wird, welche Vereine sich wann wohin entwickelt haben. Und ich erkenne leider in vielen schlechten Beispielen Parallelen zu dem, was seit 1963 in Braunschweig passiert ist.
Spoiler: Wer sportlichen Misserfolg eher monokausal erklärt („alle raus“, „Neuanfang“, „Geld in die Hand nehmen“), sollte auf die entsprechende Lektüre besser verzichten.
Sorry, dass es so viel geworden ist. Aber besondere Zeiten erfordern halt auch besondere Posts.