Datum: 2023-11-16 23:09:00;
Stichwort: Kumpis
Hier mal ein paar Thesen von mir zur außersportlichen Lage:
1. Bei allem Respekt vor unserem Meistertorwart – er war ja zu Tenzer-Zeiten selbst mal (eher kurz) bei Eintracht eine Art Manager und hat u.a. seinen Kumpel Fuchs als ziemlich erfolglosen Trainer vermittelt, der einen ziemlich teuren Kader hatte. Da gab es durchaus Kritik an Wolters Wirken. Aber sobald er die Präsidentin kritisiert, ist er plötzlich der reinste Fachmann, obwohl er nur populistisch einen Neuanfang fordert (aka „alle raus“) anstatt konstruktiv was beizutragen.
2. Die finanzielle Situation ist keineswegs beängstigend, nach der teuren Katastrophen-Saison 18/19 wurde der jeweiligen Liga entsprechend weitgehend vernünftig gewirtschaftet.
3. Die Aufgabe der Präsidentin ist es nicht, im Tagesgeschäft rumzufuhrwerken – genau deshalb wurde ja mal der Profifußball ausgegliedert und hat dafür entsprechende Verantwortliche.
4. Wir hatten Präsidenten, die häufig vor der Kamera standen. Das hat in Zeiten, in denen es sportlich nicht lief, wenig bis nie geholfen.
5. Angeblich starke Führungskräfte als langjährige Präsidenten haben oft einen Scherbenhaufen sondergleichen hinterlassen. Beispiele: Tenzer, Glogowski, Ebel.
6. Leute an der Spitze werden bei Eintracht eigentlich immer nur dann hinterfragt, wenn es sportlich nicht läuft. Ebel z.B. war vom Stil her am Ende, als er vor der Kurve ausgepfiffen wurde, nicht anders als in den vielen guten Jahren davor.
7. Am wichtigsten für den Profifußball sind gute Griffe auf den Positionen Trainer und „Manager“. Bei fast allen Vereinen ergibt sich das mit den guten Griffen aber eher irgendwie als dass es auf ausgetüftelter Planung basiert.
8. Eintracht ist nicht nur Profifußball – es gibt mehrere Tausend Menschen, die zum Sporttreiben im Verein sind. Das war auch in den düsteren 90er-Jahren so und würde (vom Emotionalen her) auch so sein, wenn es keinen Profifußball mehr gäbe.
9. Wer nicht Mitglied ist, sollte sich mit Forderungen nach Rücktritten von Gewählten zurückhalten.
10. Wer was ändern will, kann jederzeit in den Verein eintreten, sich einbringen und muss dann aber auch bereit sein, wie in einer Partei oder jedem anderen Verein den mitunter anstrengenden Weg durch die Instanzen zu gehen, um Leute im Verein von sich zu überzeugen. Und darf nicht erwarten, den roten Teppich ausgerollt zu bekommen, weil man bei einem kleinen Teil der Fans, Mitglieder oder Sponsoren angesehen ist.
11. Es ist wichtig, andere Meinungen sowie Mehrheiten auch zu akzeptieren und nicht in allem die große Klüngel-VW-Krauße-Gates-Verschwörung zu sehen.
12. Sachlich fundierte Kritik ist gut und wichtig, plumpes Gepöbel und Abwerten von Personen nicht.
13. Wenn schon in einem Gästebuch wie hier, in dem aktuell geschätzt nicht mal 100 Leute regelmäßig schreiben, keine annähernd einheitliche Meinung herrscht, wie der weitere Weg sein soll: Wie soll es dann erst in einem Verein mit mehreren Tausend Mitgliedern möglich sein? Plus Zigtausenden Anhängern. Plus zig Sponsoren.
14. Allein schon die Fanabteilung ist ausgesprochen (Triggerwarnung!) divers – oder heterogen, um durch das Wort divers nicht beim einen oder anderen Schnappatmung hervorzurufen. Der 50-jährige Haupttribünen-Sitzer hat sicher einen leicht anderen Support-Ansatz als der, der in fremden Stadien Waschbecken von der Wand tritt. Auch hier wird man niemals eine Linie finden, die alle gut finden.
15. Außer Erfolg. Erfolg ist der Kitt. Erfolg bringt Zusammenhalt. Erfolg heiligt meist auch die Mittel.
16. In einer immer komplizierter werdenden Welt, in der die Zusammenhänge mitunter wirklich schwer zu durchschauen sind, ist es nicht verwunderlich, dass (auch in der Politik) diejenigen großen Zulauf haben, die einfache Antworten bieten.
„Wo ist der Führer, der mich führt“
(Wolfsheim, Band)