Datum: 2023-11-22 09:59:00;
Stichwort: DFB-Elf
Ich sehe das etwas anders.
Was für die Nationalelf zutrifft ist ein vollkommen verkorkstes System das sich in der Form der Förderung, im Geldfluss und im eigenen Selbstverständnis mittlerweile komplett von der Realität abgekoppelt hat. Entsprechend sind die Auftritte.
Das geht aber nicht nur den Deutschen so, sondern auch den Engländern seit vielen Jahren, den Niederländern oder auch den Italienern.
Von den einstigen Grundeinstellungen sind diese Nationen meilenweit entfernt. Nicht zufällig nehmen diese oft an den Turnieren vermehrt nicht teil, oder fliegen frühzeitig raus, oder kommen nur auf der letzten Rille in die internationalen Turniere.
Das fängt mit den Internaten an, in denen faktisch eine Abschottung im erheblichen Maße von gesellschaftlichen Realitäten stattfindet, um die Hochbegabten psychisch stabil zu halten, damit investiertes Geld nicht den Bach runtergeht. Aber auch um die Hochbegabung bis an die Grenze auszubauen. Heraus kommen dabei in der Regel technisch enorm beschlagene Fußballer in Serie für die oberen 2, 3 Ligen, die noch vor 30-40 Jahren in der Masse undenkbar waren. Dazu hoch telegen, sprechend mit erlernten, nervenden Textbausteinen für die Kameras, von Medienprofis.
Das alles wird mit der eingeimpften Motivation an das große Geld zu kommen gegenüber den Spielern gerechtfertigt. So sind Nationalmannschaften teil des Systems. Nationalmannschaften werden von Spielern und Vereinen letztlich nur noch als Schaufenster für Marktwerte genutzt. Bei den Spielern ist dann natürlich der individuelle Fokus höher motiviert (internationale Spiele = Geld und MMarktwert) als ein Grundprinzip des Mannschaftsports:
Geschlossenheit geht vor Individualität.
Aber genau so egozentriert sind eben auch die Clubs unterwegs. Auch ihnen sind die Marktwerte wichtig wegen der Ablösen und des Geschäfts. Dazu hat sich eine Topklasse an Clubs in den Nationen entwickelt, die den Fußball vollkommen beherrschen. In jeder Nation hast du 4-8 Clubs, die den Verbänden diktieren, wie es zu laufen hat. Die sagen, wie die Geldflüsse auszusehen haben, lancieren Sponsoren und sorgen dafür, dass das sportliche Grundprinzip über Geld komplett ausgehebelt wird. Allein die Verteilung der TV-Gelder ist ein Witz, der jeden spotlichen Vergleich unterläuft.
Dazu machen die Medien diesen Mist kritiklos mit, besonders die privaten Medien. Man gebe sich mal die Sportinformationen von Welt-TV oder NTV. Da findest du zu 70-80% Bayern, 10% BvB, den Rest belegen in erster Linie die Werksclubs und bei ganz besondern spektakulären Ausnahmesituationen noch andere Clubs die Spiele gegen Werksclubs absolvieren.
Mit anderen Worten: Der sportlich-kulturelle Aspekt, der zum Fußball dazu gehört, wird komplett ausgeblendet und bewusst verdrängt.
Am Ende bleibt der Fokus auf Geld in einem Meer aus egozentriertem Denken von allen handelnden Seiten. Dies schlägt sich dann nieder in lächerlichen, zeitlichen Spielvorbereitungen und Trainingslagern der Nationalmannschaften, in denen eine mannschaftliche Identität kaum wachsen kann. Das alles zugunsten von immer mehr internationalen Spielen und Wettbewerben der Vereine (Stichwort: Geld) und Amerika-, Asien-, Arabischen Golf-Reisen zu Werbezwecken.
Das allerdings geht auch zu Ungunsten der Spieler, die in dieser Mühle am körperlichen Limit radieren, das aber mitmachen, weil es sich im Sinne ihrer Marktwerte für sie lohnt.
Der Effekt ist, dass die Nationalmannschaft einen deutlich geringeren Wert für sie hat als früher und die kleineren Vereine sowieso uninteressant sind, obwohl sie sich dort als Führungsspieler enorm entwickeln könnten, was letztlich auch ein Nachteil für die Nationalelf ist.
Schließlich machen die Zuschauer dieses Spektakel auch mit. Die mediale Präsents ist toll. So schaut man auf dem TV-Cube im Stadion das Spiel um auch den Moment nicht zu verpassen, wo man im richtigen Moment in die Kamera jubeln und Winken kann, um vom medialen Kuchen auch einen Krümel abbekommen kann.
Die, die den sportlichen Aspekt nicht gänzlich aus dem Blick verloren haben, tanzen um das Goldene Kalb der individuellen, technischen Beschlagenheit des Einzelspielers. Der Fokus für die mannschaftliche Geschlossenheit, die Mannschaftsdienlichkeit, das Teamplay, Charakterstärke weniger technisch beschlagener Spieler gerät zunehmend in den Hintergrund. Das sehen wir auch hier. Die Frage des Geldes spielt zunehmend keine Rolle mehr, egal wie ungerecht die Situation ist. Der sportliche Aspekt eines Mannschaftssports bleibt dann beim Konsumenten schon vollends auf der Strecke. Das steigt mit den Plätzen der ersten 2, 3 Ligen von unten nach oben.
Meine persönliche Meinung zur Sache ist, dass es nicht nur ein Ausdruck der gesellschaftlichen Zustände ist, sondern, dass es sich beim Profi-Fußball um ein vollkommen abgekoppeltes System handelt in dem sportliche, kulturelle und menschliche Aspekte beinahe keine Rolle mehr spielen. Alles zu Gunsten einer abgehobenen Geldmaschine, die sich zunehmend sinnentleert.
Ob das auf die Dauer gutgeht bleibt abzuwarten. Die Vorzeichen sind aus meiner Sicht jedenfalls zunehmend schlecht. Die Wahrscheinlichkeit der Überraschungen in den Ligen und Pokalen sind rückläufig, auch wenn es dann und wann Ausnahmen gibt. So höhlt sich der Fußball ideell aus und verkommt zum Wochenend-Event für Kurzweil ohne echten sportlichen Maßstab.
Schade um diesen Sport.